Heute

Heute ....ist der erste Eintrag auf dieser Seite zu dieser Zeit. Über was schreibe ich hier? Über alle möglichen Dinge, die mir heute so durch den Kopf gehen, oder was ich so erlebt habe, was mir wiederfahren ist, was ich gesehen habe oder gehört habe, was ich wahrnehme und empfinde..heute

 

30.10.2020

Heute morgen habe ich gesehen, dass die Buche vor meinem Fenster wieder ganz schön viele Blätter verloren hat. Dabei kamen mir folgenden Gedanken: Die Natur kann unser bester Lehrmeister sein, unser größter Guru, wenn wir uns die Zeit und die Ruhe nehmen, genau hinzuschauen, zu beobachten was geschieht. Was gestern noch Fülle war , ist heute schon weniger und zum Teil vergangen. Im Herbst zeigt uns die Natur, dass es Zeit ist Altes  gehen zu lassen und Neues willkommen zu heißen. Es ist eine Einladung , neue Ideen und Visionen auszusäen und wachsen zu lassen, damit sie im nächsten Frühjahr Früchte tragen. So ist alles in einem ewigen Kreislauf eingebunden, Geburt und Leben, Tod und Wiedergeburt und nichts ist für die Ewigkeit. So haben wir die wunderbare Möglichkeit, immer wieder neu auf unser Leben zu schauen und den Herbst mit seinen Stürmen zu nutzen, um auch bei uns  einen kräftigen, reinigenden Wind durchziehen zu lassen, der unsere Seele durchschüttelt. In der Stille des Winters haben wir dann Zeit, neue Kräfte zu sammeln, neue Ausrichtungen zu finden und mit alten, belastenden Dingen Frieden zu schließen.

 

Es ist jetzt gerade eine herausfordernde Zeit und ich lerne jeden Tag aufs Neue, was Veränderung bedeutet... im Inneren wie im Äußeren und wie schwierig es manchmal sein kann, in all der Unruhe noch bei sich zu sein und im Frieden  zu sein. Ich schaue jeden Tag aufs Neue, wie ich gut durch diese Zeit komme und wie ich mein Leben gestalten kann und möchte - heute und in Zukunft.

 

26.11.2020

Heute finde ich wieder einmal etwas Zeit für einen Eintrag. Es ist noch früh am Tage und doch ist das Leben schon in vollem Gange. Vor dem Haus wird gehämmert, gebohrt und gestemmt... sehr laut. Für mich wieder eine Bestätigung, dass es in nicht allzu ferner Zukunft an der Zeit ist, den Wohnort zu wechseln und weiter aufs oder in das Land zu ziehen, wo es nicht so dicht besiedelt ist. Ich halte bereits Ausschau...

Gestern habe ich meinen geplanten online Kurs abgesagt und hoffe darauf, dass im nächsten Jahr ein wenig Entspannung in die Lage kommt und Gemeinschaft wieder möglich wird. Möglicherweise wird Gemeinschaft in Zukunft anders aussehen oder sich anders gestalten, dass haben wir jetzt in der Hand. Wie wollen wir zukünftig leben? Wie soll der Alltag sich gestalten, damit wir uns wieder wohlfühen können? Suchen wir gemeinsam nach Wegen oder jeder für sich? Wie verändern sich unsere Bedürfnisse? Wieviel Raum geben wir  unserem Streben nach Sicherheit und Schutz und können wir irgendwann akzeptieren, dass es keinen 100% tigen Schutz und keine endgültige Sicherheit gibt? Sind wir bereit, uns wieder auf das Risiko Leben einzulassen? Wann können wir wieder angstfrei Nähe zu lassen, nachdem wir so viel Distanz gelernt haben? Wann können wir wieder frei und tief durchatmen, ganz entspannt, ohne einen Gedanken an Aerosole?

Das geht mir also heute morgen durch den Kopf, während der Baulärm meine Gedanken begleitet.

 

01.12.2020

Heute  ist also der erste Tag im Dezember; das Jahr neigt sich mit Riesenschritten dem Ende zu. Ein herausforderndes Jahr war es und ist es. Viele meiner Yoga Kollegen*innen bangen um ihre Existenz, andere haben neue Wege gefunden, den Unterricht fortzuzführen. Ich habe herausgefunden, dass Online Unterricht nicht meine Welt ist, ich nehme gerne gelegentlich an einem Yoga Kurs online teil, möchte aber selber nicht online unterrichten. Vielleicht gibt es im nächsten Jahr wieder Präsenz Unterricht, wer weiß....

Heute frage ich mich - und nicht zum ersten Mal - wie ich mich dem Sog der Welt entziehen kann und doch ein Teil von ihr bleiben kann. Wie kann ich in diesen Zeiten einen friedlichen Weg gehen, wo mich viele Dinge so bewegen? Ich glaube, es ist die größte Herausforderung an sich, friedlich über die Erde zu gehen, jeden Tag aufs Neue im Frieden mit sich und der Welt zu sein und sich selbst im anderen zu erkennen. Dafür stehe ich jeden Morgen auf der Matte, übe Yoga Asana, beobachte meinen Atem, meditiere....und komme mir selbst ein Stück näher. Das stärkt mich und nährt mich und so gelingt es mir, die meisten Tage gut zu leben - auch wenn die Welt an mir zieht und zerrt und schwer zu ertragen ist - der Yoga ist noch mehr Anker in meinem Leben geworden als je zuvor, dafür bin ich sehr dankbar.

Manchmal ist es eine große Anstrengung zu sehen, dass das Leiden in dem Raum entsteht, der zwischen Haben-wollen und Nicht-haben-wollen, liegt. Es ist so. Die Dinge sind wie sind, ob ich sie so haben will oder eben nicht haben will. Das ändert nichts. Es verbraucht viel Lebensenergie und schafft viel Leid, Dinge anders haben zu wollen, als sie sind. Das lerne ich immer wieder neu...und sicherlich auch heute.

 

11.12.2020

Heute habe ich einen  kleinen Sonnenaufgang beobachtet, der Himmel ist ein bisschen bewölkt, weshalb ich die ersten Strahlen und das erste Licht der Sonne nicht ganz sehen kann. Aber das was ich sehe und erlebe heute morgen mit diesem kleinen Sonnenaufgang reicht vollkommen aus, um mir die Großartigkeit dieser Dinge ganz und gar bewusst machen. Und dabei die kleinen Freuden meines Alltags zu feieren: den Kaffee heute morgen, die Zeit, die ich habe, um hier zu sitzen und diese Zeilen zu schreiben  und dabei der Gedanke, an die vielen Möglichkeiten, die das Leben auch in dieser unplanbaren Zeit bietet.

Ein Gedanke hat sich heute morgen in meine Meditation geschoben und ist sehr hartnäckig geblieben, damit ich mir den Gedanken anschauen kann, der eigentlich nur aus einem Wort besteht: Demut. Mein Eindruck ist, dass dieser Begriff heute gar nicht mehr so oft  verwendet wird und wenn er verwendet wird, dann haftet etwas Negatives, etwas Unterwürfiges daran ...so ist meine Wahrnehmung im Außen.Demut...für mich ist Demut eine Verbeugung vor etwas, was größer ist als ich, größer als wir alle. Demut ist für mich eine Anerkennung an die Großartigkeit des Lebens und an diese unglaubliche Vielfalt, die uns die Natur - oder auch Schöpfung - jeden Tag aufs Neue anbietet. Demut empfinde ich, wenn ich beobachten kann, wie sich jede Pflanze und jedes Tier  dem Rhythmus der Natur, der Jahreszeiten anpasst und immer mitgeht und nie -tatsächlich nie- dagegengeht. So ergänzt sich alles, so ist es ein ewiger Kreislauf von Geben und Nehmen, von Kommen und Gehen und am Ende von Leben und Sterben. Und alles ist gut so wie es ist. Wenn ich  mir dieser Dinge ganz bewusst werde und meine Wahrnehmung ganz fein werden lasse, werde ich auch ganz demütig und beuge meinen Kopf und sinke auf die Knie und sage leise danke...

 

14.12.2020

Heute morgen hatte ich Zeit für längere Yoga Asana Übungen und Meditation. Und stelle wieder aufs Neue fest, wie gut es ist, den Geist durch stilles Sitzen zu beobachten, wie wohltuend es ist, alle Dinge, die hochkommen, anzuschauen und da sein zu lassen und dadurch zu spüren, wie befreiend dies sein kann. Stilles Sitzen ist manchmal auch sehr schwer zu ertragen, wenn so vieles da ist und der Geist so voll ist und alles durcheinander einströmt und angeschaut werden will. Aber es beruhigt sich, so ist meine Erfahrung. Je länger ich sitze in der Mitte meines inneren Raums und je mehr Türen und Fenster ich in diesem Raum öffne, desto wuseliger wird es zunächst, bevor einige Gedanken, die brachial durch die Türe reinstampfen, dann leicht und leise wieder durch ein Fenster davon schweben. Mit der Zeit schweben mehr und mehr Gedanken fort und es wird leiser und weniger durcheinander. Ich nehme meinen Atem deutlich wahr und spüre wie ich sitze. Jetzt kann ich in Ruhe und achtsam beobachten und wahrnehmen, was heute an Gedanken und Empfindungen in mir ist und fragen: "was noch...."

 

28.12.2021

Heute ist Montag und dieses besondere und merkwürdige Weihnachten liegt hinter mir. Für mich waren es tatsächlich schöne Tage, so ruhig wie immer...ich gehöre zu den Menschen, die grundsätzlich eher zurückgezogen leben und nicht so viele Kontakte haben. Ich hatte in diesen zurückliegenden Tagen schöne Spaziergänge und gute Gespräche mit meiner Tochter und meiner Herzensfreundin, was schon Geschenk genug ist. Nun habe ich zusätzlich durch meine augenblickliche Lebenssituation mehr freie Zeit als sonst zur Verfügung, dass genieße ich sehr. Zeit zu haben ist ein so unglaublich wichtiges Geschenk geworden...vor allem dann, wenn die Kreativität fließen soll und es dann auch ungehindert kann, einfach weil viel Zeit dafür zur Verfügung steht. Für mich ist diese freie Zeit das größte Geschenk überhaupt, erlaubt sie mir doch, an meinem Buch zu arbeiten und schenkt mir die nötige Ruhe dafür. Genau das werde ich jetzt tun...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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